Ein Wort in schwierigen Zeiten

von Pfarrer Nentel

Jesaja 54,10 Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HERR, dein Erbarmer.

Ein wunderschönes Wort in schweren Zeiten, damals wie heute.

Damals galt es dem Volk Israel in einer großen Krise: Die Soldaten Babylons plünderten Jerusalem und zerstörten den Tempel. Es gab kaum eine Familie, die nicht Tote zu beklagen hatte. Die Menschen litten unter Hunger und Not. Es galt, irgendwie zu überleben. Dann begannen die Deportationen: Familien wurden zerrissen, Menschen gegen ihren Willen mitgenommen und verschleppt. Für viele hieß es, in Richtung Babylon zu ziehen, die geliebte Heimat verlassen und in eine unbekannte Zukunft zu gehen, weit weg von zu Hause. Hoffnung gab es da nur wenig. Selbst Gott schien fern zu sein, schien sich abgewandt zu haben.

Heute gilt dieses Wort des Propheten Jesaja uns. Zum Glück erleben wir keinen Krieg. Zum Glück erleben wir nicht den völligen Zusammenbruch, wie damals das Volk Israel. Doch sprechen wir in diesen Tagen auch von einer Krise, ausgelöst durch das Corona-Virus. Viele Menschen sind besorgt. Die Bilder, die uns aus Italien erreichen, machen Angst. Die Ausrufung des Katastrophenfalls und nun die verhängte Ausgangssperre zeigen, wie ernst es ist. Wie schlimm wird es? Bleibe ich verschont oder werde ich vielleicht auch krank? Was werden die noch gar nicht absehbaren Folgen dieser Krise sein? Solche und ähnliche Fragen treiben viele um.

Damals wie heute spricht der Prophet Jesaja diese Worte zu seinem Volk Israel und zu uns: Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HERR, dein Erbarmer.

Wie kann uns das Mut machen, wie uns Hoffnung geben?

Einmal, weil das kein billiger Trost ist, der an der Realität vorbeigeht. Denn ganz offen spricht der Prophet Jesaja davon, dass unser Leben Erschütterungen erfahren kann. So manches unserer „Lebens-Berge“ ins Wanken kommt. Wir vielleicht Einschränkungen erfahren oder zu kämpfen haben mit der Corona-Krise und dem, was noch folgen wird. Wir möglicherweise sogar infiziert und krank werden.

Vor allem aber, weil unser Blick hier auf etwas gelenkt wird, das eben nicht erschüttert werden kann. Das stabil bleibt in schweren Zeiten. Eine Art Fundament, auf das wir uns stellen können, gerade wenn uns den Boden unter den Füßen wegzieht und wir ins Wanken kommen: Bei Gott finden wir Kraft und Halt. Er bleibt uns zugeneigt und ist uns nahe, selbst wenn wir ihn nicht wahrnehmen oder er uns weit weg erscheint. Seine Gnade, sein Frieden und sein Erbarmen gelten uns und wir tun gut daran, uns danach auszurichten.

Aber wie kann das praktisch gehen? Dazu drei Gedanken:

Ich rufe mir ins Bewusstsein, dass mir Gottes Gnade offen steht. Mir ganz persönlich Gottes Ja gilt. Ich erinnere mich daran, dass er mich bei der Taufe zu seinem Kind gemacht hat. Er in Jesus Christus für mich gestorben und auferstanden ist, damit ich leben kann. Leben hier und ewig. Ein Leben, das, ob oben oder unten, in Gottes Hand steht und von ihm getragen ist. Komme, was da wolle.

Ich suche diesen Frieden, der nur bei Gott zu finden ist. Suchen kann ich, indem ich zum Beispiel für fünf Minuten still werde und meine Gedanken auf Gott ausrichte. Beim Läuten der Kirchenglocken innehalte, ruhig werde, bewusst ein- und ausatme. Gott mein Herz ausschütte und bei ihm Zuflucht suche.

Ich baue auf sein Erbarmen, dass er mich sieht und die Menschen, die mir nahe sind. Er mich und die Meinen nicht im Stich lässt, auch wenn ich seine Wege nicht immer verstehe. Und ich befehle im Gebet die vielen Menschen um mich herum seinem Erbarmen an: Die Menschen, die mit Krankheit und Angst beladenen sind; die Menschen, die Helfen und alles tun, damit wir diese Krise gut überstehen können; die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft, damit die Krise gut überwunden werden kann.

So oder ähnlich könnte es sein, über das Wort des Propheten Jesaja nachzudenken und Hoffnung zu fassen. In schweren Zeiten nicht kopflos oder panisch zu werden, sondern aus Glauben heraus zu leben und Halt zu erfahren.

Das wünsche ich Ihnen.

Ihr Pfr. Nentel